Artikel in der Rheinischen Post vom 10.04.2026

„Initiative 84“ Wermelskirchen

Vorsitzende sieht Chance im neuen Kinderturnen

Von Cristina Segovia-Buendía

Der engagierte Vorstand der Initiative 84 um Vereinsvorsitzende Uschy Kasper (2 v.l.).
Die „Initiative 84“ ist finanziell gut aufgestellt – trotzdem fehlt es an Nachwuchs und Übungsleitern. In Wermelskirchen setzt der Verein nun auf ein neues inklusives Kinderturnen.

Seit Jahren schon spielt Uschy Kasper mit dem Gedanken, ihr Ehrenamt als Vorsitzende des Vereins für Behinderten- und Rehabilitationssport „Initiative 84“ niederzulegen. Sie wohnt nicht mehr in Wermelskirchen und hat privat andere Baustellen, um die sie sich kümmern muss.

Doch bislang hat sie den Schritt nicht gewagt. Denn sie ist überzeugt, mit ihrem Rücktritt das Ende des nunmehr 42-jährigen Vereins zu besiegeln. Und das will sie auf keinen Fall. Nachfolger für das Amt, das sie seit 2016 innehat, gibt es derzeit nämlich nicht, sagt Kasper. Ihre Vorstandskollegen seien zwar allesamt leidenschaftlich engagiert, doch insgesamt sei der Verein deutlich spürbar in die Jahre gekommen.

Im Jahr 1984 wurde die Initiative von jungen Eltern gegründet, die ihren Kindern mit Handicap eine sportliche Heimat bieten wollten. Aus den einstigen Kindern sind mittlerweile Erwachsene geworden, die zwar immer noch gerne ihre sportlichen Übungen in der Halle oder zu den Wasserzeiten im Quellenbad ausüben. Doch Kinder sind schon seit Jahren keine mehr nachgekommen. Übungsleiter auch nicht.

Für ihre langjährige Mitgliedschaft oder ihr sportliches Engagement wurden geehrt: (v.l.) Ursula Janßen (30 Jahre Mitgliedschaft), Daniela Neugebauer (20 Jahre), Denise Werner (Sportlerin des Jahres) und Helgard Becker (30 Jahre).

Foto: Initiative 84/Hanke

Dabei hat der Verein einiges zu bieten und steht außerdem auf finanziell abgesicherten Füßen, wie sich jüngst in der Hauptversammlung zeigte. Für einen Monatsbeitrag von vier Euro können Mitglieder bislang jede Woche ohne zusätzliche Kosten für ihre Schwimmkurse ins Quellenbad gehen. Obendrauf werden sportliche Angebote in der Halle angeboten. Regelmäßig organisiert der Verein zudem Festlichkeiten und Ausflüge.

Dieser Beitrag wurde nun einstimmig von den Mitgliedern ab Januar 2027 um einen Euro erhöht. Ein Entschluss, der als symbolischer Akt der Wertschätzung gewertet werden kann – für die Arbeit und das Angebot des Vereins. Denn finanziell geht es der Initiative sehr gut. Schwierigkeiten bereiten dem Vorstand, den Verein durch jüngere Mitglieder und neue Übungsleiter für die Zukunft zu wappnen. Doch auch hier zeichnet sich jetzt ein Hoffnungsschimmer ab – durch ein neues Angebot, das der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt und der Kita Wellersbusch beginnen wird.

Am Donnerstag, 15. April, startet ein zehnteiliges Sportangebot für Kinder mit und ohne Handicap in der Sporthalle der Pestalozzischule. Für das inklusive Kinderturnen, kostenlos für Teilnehmer im Alter zwischen drei und zehn Jahren, musste bereits ein Anmeldestopp eingeführt werden, berichtet Kasper. Die ersten 24 Kinder – zur Hälfte mit Handicap – werden das Angebot ausprobieren. „Ich finde das ganz spannend“, äußerte Kasper bei der Mitgliederversammlung.

Zwei junge Eltern hätten sich schon jetzt bereit erklärt, im September eine Übungsleiterschulung zu beginnen. Möglicherweise, so spekuliert Kasper, würden sie dann langfristig der Initiative nicht nur beitreten, sondern auch als Übungsleiter bereitstehen. Durch das inklusive Kinderturnen hofft die langjährige Vorsitzende außerdem, dass der Verein, der aktuell 60 Mitglieder zählt, wieder wächst und durch junge Familien einen frischen Wind erhält.

Und vielleicht, kann sie ihr Amt bei der nächsten Vorstandswahl 2027 tatsächlich ohne schlechtes Gewissen ablegen – und den Verein in gute Hände geben.

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